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Schulentscheid
Tönisvorst

(von Andrea Leuchten, RP vom 28.01.2022)

Schnell die Brille aufgesetzt und schon bin ich Drogistin, räume Waren in Regale, helfe im Lager und beim Erstellen von Fotobüchern, berate Kunden zu Produkten für Körper, Geist und Seele. „Mein erster Tag“ fühlt sich gut an. Er dauert rund vier Minuten, ich verbringe ihn sitzend auf einem Drehstuhl und bin beeindruckt: Eine 360-Grad-Betriebsbesichtigung in 3D liegt hinter mir. Das Projekt: Ein Angebot des Teams der beruflichen Orientierung am Michael-Ende-Gymnasium (MEG) in St. Tönis in Kooperation mit dem Sozialunternehmen Studio2BGmbH. Betreut wird es von Julia Faßbender, Lehrerin und Koordinatorin des Teams am MEG. Unterstützt wird sie dabei von Saskia Hellfeier, ebenfalls Lehrerin und Teammitglied. Auch Cordula Wolterhoff gehört zum Stubo-Team, betreut aber hauptsächlich die Mittelstufe.

Faßbender hat das Medienset, die Virtual-Reality-Brillen, fürs MEG im Zuge einer Fortbildung zur Digitalisierung beruflicher Orientierung gebucht. Das auf dem Markt in diesem Bereich relativ neue Angebot erschien ihr spannend, innovativ und abwechslungsreich. Am MEG ist es eine Premiere. Die Videos sind ein Erlebnis: Betriebe öffnen virtuell zur Personalgewinnung und Nachwuchssicherung die Türen ihrer Produktion, Büros oder Betriebsstätten und stellen sich künftigen Fachkräften vor. Die Jugendlichen lernen somit ortsunabhängig konkrete Ausbildungs- und Studienberufe kennen. Das Angebot gilt an der Schule vor allem der Oberstufe (EF, Q1, Q2), jedoch dürfen auch die Jüngeren die Brillen nutzen, um berufliche Einsichten zu erhalten.

Gerade derzeit sei Digitales wichtiger denn je, betont Faßbender, da so manches ausgefallen sei, verschoben wurde oder nur in verkürzter Form stattgefunden habe: „Einige unserer Schülerinnen und Schüler konnten pandemie-bedingt keine Praktika und Berufsfelderkundungstage absolvieren. Umfassende Einblicke in verschiedenste berufliche Abläufe und diverse Berufsfelder sind jedoch sehr wichtig und unverzichtbar“, sagt Faßbender: „Wir suchen und bieten den Kindern und Jugendlichen immer wieder neue facettenreiche Angebote, um die Entwicklung beruflicher Perspektiven zu ermöglichen. Wir möchten stets motivieren, sich mit der Zukunft zu beschäftigen.“

 

Rund 180 Berufszweige und Betriebe, eingeteilt in verschiedene Kategorien, stehen zum Erleben mittels Virtual Reality drei Tage lang im Büro der Studien- und Berufsorientierung (Stubo) zur Verfügung. Interessierte kommen als „Laufkundschaft“ – in Pausen oder Freistunden – oder sie buchen sich vorab Termine. Beides ist möglich.

 

Folgende Themenbereiche, Berufskategorien, stehen zur Auswahl: Bei dir in der Nähe, Forschen und Entdecken, Gestalten und Kreieren, Helfen und Betreuen, Ordnen und Verwalten, Beraten und Verkaufen, Rechnen und Programmieren und Anpacken und Handwerkern. Oberstufen-Schüler Raphael Spranzel (Q1) entscheidet sich unter anderem für das Video „Bachelor of Business Administration“. Der 16-Jährige erzählt: „Ein dualer Studiengang wurde hier vorgestellt und die Praxis spielte sich in einem großen Schuhgeschäft ab. Sehr interessant, alles im 360-Grad-Blickwinkel zu erleben. Man bekam wirklich Ahnung davon, um was es hierbei geht.“ Schülerin Shirin Franke (Q2) hat sich zum Beispiel den Beruf der Restaurantfachfrau angesehen. Es habe sich wie ein echtes Kurz-Praktikum angefühlt, habe Spaß gemacht und sei sehr real und spannend dargestellt worden, erzählt die 17-Jährige.

Mit der Resonanz auf die Aktion sind Faßbender und Hellfeier zufrieden: Alle, die die Brillen testen, sind begeistert. Das Medienset könnte zeitnah wieder fürs MEG gebucht werden, so Faßbender, die für die Berufsorientierung an der Schule gern den Hashtag #Eure Zukunft liegt uns am Herzen nutzt. Sie sagt: „Eventuell könnten wir Lehrerinnen und Lehrer die Brillen auch klassenweise einsetzen, verbunden mit passenden Unterrichtsmaterialien. Das Schöne am Bereich der beruflichen Orientierung: Vieles ist sehr dynamisch. Das bedeutet, man kann so einiges austesten und modifizieren, angepasst an unsere Schülerschaft und andere bereits bestehende Angebote. Wichtig ist für uns dabei, stets am Puls der Zeit zu bleiben.“

 

 (Bildrechte: Norbert Prümen, Rheinische Post)

 

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